Hier erfahren Sie mehr über das Deichwesen

Die Arbeit des Artlenburger Deichverbandes, das Deichwesen und der Hochwasserschutz sind komplexe und sehr umfangreiche Themen. Um Interessierten bessere Einblicke in die Materie zu geben, werden in dieser Rubrik viele zusätzliche Informationen aufgeführt – unter anderem das Niedersächsische Deichgesetz, die Satzung des Artlenburger Deichverbandes, die Erhebung der Mitgliedsbeiträge oder die Berechnung von Hochwasser. Auch werden unter dem Stichwort Deichlexikon häufig benutzte Fachbegriffe erklärt. 

Deichwachordnung

Die Deichwachordnung wird per Verordnung vom Landkreis Lüneburg an den Deichverband erlassen. Es werden unter anderem die Pflichten und die Aufgaben der Deichwachen und Deichgeschworene beschrieben.


Adobe PDF file icon 24x24 Die Deichwachordnung als PDF Datei

 

Deichverteidigungsordnung

Der Landkreis Lüneburg gibt über die Deichverteidigungsordnung (DVO) dem Deichverband den rechtlichen Auftrag, die Deiche in seinem Verbandsgebiet vor Hochwasser und Eisgang zu schützen. Hierzu werden Deichwachbezirke eingerichtet. Das Aufziehen der Deichwachen ordnet der Verbandsvorsteher an. 


Adobe PDF file icon 24x24 Deichverteidigungsordnung Landkreis Lüneburg

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Deichverteidigungsordnung Harburg

 

Hochwasserberechnung

Wichtige Grundlagen für den Deichbau und die Deichverteidigung sind das Bemessungshochwasser und eine gute Hochwasservorhersage. Grundlage für die Wasserstands- und Hochwasservorhersage ist das unter Beteiligung der Länder und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) entwickelte und seit 2007 eingesetzte Wasserstandsvorhersagemodell WAVOS-Elbe, das den deutschen Elbeabschnitt vom Grenzpegel Usti bis zur Staustufe Geesthacht mit den großen Zuflüssen Saale und Havel abdeckt. 


Adobe PDF file icon 24x24 Informationen zur Hochwasserberechnung

 

Verbandsbeitrag

Deichverbände – wie der Artlenburger Deichverband – verwalten sich nach dem Gesetz über Wasser- und Bodenverbände und dem Niedersächsischen Deichgesetz (NDG) selbst.  Aufsichtsbehörde des ADV, bei dem es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts handelt, ist der Landkreis Lüneburg. Der Beitritt zum Deichverband und die Zahlung eines Jahresbeitrages für den Hochwasserschutz sind nicht freiwillig. Das regelt das NDG. Entsprechend gibt es eine Deichpflicht. Die besagt, dass die Eigentümer aller im Schutz der Deiche und Sperrwerke gelegenen Grundstücke zur gemeinschaftlichen Deicherhaltung verpflichtet. 

Mitglieder im Deichverband sind entsprechend der aktualisierten, gültigen Satzung vom 1. Januar 2012 gehalten, für dessen Aufgabenwahrnehmung und zur Deckung entstehender Kosten für die Deicherhaltung jährlich Beiträge zu zahlen. Der Mindestbeitrag beträgt acht Euro. 

Von der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg wurde per Verordnung die rückwärtige Grenze des geschützten Gebietes des Artlenburger Deichverbandes im März 2000 festgesetzt. Die Beitragserhebung erfolgt auf der Grundlage der vorliegenden Daten der Kataster und der Oberfinanzdirektion. 

Der Jahresbeitrag des Artlenburger Deichverbandes bemisst sich nach dem Grundsteuermessbetrag, der dem Verband am 1. Januar eines jeden Jahres durch die letzte Festsetzung des Finanzamtes bekannt ist. Den Steuermessbetrag kann jedes Mitglied für sich aus dem ihm zugegangenen Bescheid des Finanzamtes über die Berechnung des Einheitswertes ersehen. Von diesem Betrag erhebt der Deichverband auf Grundlage des vom Verbandsausschuss festgelegten Hebesatzes (Stand 2014: 30 Prozent) den Verbandsbeitrag. 

Zu den Pflichten gehört für die Mitglieder aber auch, im Gefahrenfall Deichwachdienst auszuüben. 

Das Beitragsaufkommen beim Artlenburger Deichverband lag zuletzt bei knapp 500 000 Euro jährlich.

Adobe PDF file icon 24x24 Beitragsbescheid

 

Deichbauinvestitionen

1990
Deichausbauabschnitt Rönne – Avendorf mit Fortsetzen des Abschnittes  in Obermarschacht und Tespe rund 1,8 km für rund 
1,5 Millionen D-Mark

1991
Deichbauabschnitt in Tespe vom Ehrendenkmal bis zum Sportbootshafen  rund 1,6 km für etwa 
1,8 Millionen D-Mark

1992
Deichneubauabschnitt  Tespe bis Avendorf  2 km für etwa 
2,54 Millionen D-Mark

1993
Deichneubauabschnitt Avendorf  2 km für etwa 
2,85 Millionen D-Mark 

1994
Fortführung des Deichbaus in der Ortslage Avendorf in Richtung Artlenburg auf rund 2 km, mit etwa 
2,25 Millionen D-Mark 

1995
Deichneubauabschnitt Hohnstorf von der Rampe Schnaar bis zum Elbe-Seitenkanal auf 2,1 km für 
2,39 Millionen D-Mark 

1996
Fortsetzung der Arbeiten am Bauabschnitt Hohnstorf für etwa 
1,49 Millionen D-Mark 

1997
2. Bauabschnitt Hohnstorf auf einer Länge von 1,34 km mit Baukosten in Höhe von 
1,7 Millionen D-Mark 

1998
Fortsetzung des 2. Bauabschnittes in Hohnstorf und Beseitigung der in der Außendeichböschung stehenden Pappel in Badegast für etwa 
965.000 D-Mark

1. und 2. Bauabschnitt im Tidebereich im Raum Drage/Laßrönne 
für rund  2,33 Millionen D-Mark 

1999
Fortsetzung des 1. und 2. Bauabschnittes in Drage/Laßrönne für etwa 
1 Million D-Mark 

2000
Fortsetzung der Nacherhöhung im Tidebereich für rund 
2,9 Millionen D-Mark 

2001
Deckwerksarbeiten an der Außendeichböschung in Radegast in Richtung Vitico für etwa 
640.000 D-Mark

Fortsetzung der Nacherhöhung der Tidedeiche im Raum Drage/Laßrönne für etwa 
2,1 Millionen D-Mark 

2002
Bauabschnitt Radegaster Haken und Beseitigung von Hochwasserschäden Baukosten für rund  
640.000 Euro

Nacherhöhung der Tidedeiche im Raum Drage / Drennhausen für etwa 
492.000 Euro 

2003
Beseitigung von Hochwasserschäden des August-Hochwassers 2002 und Wiederherstellung der Deichsicherheit für insgesamt 
3,34 Millionen Euro

Fortsetzung der Deichnacherhöhungsarbeiten im Tidebereich bei Drage in Richtung Drennhausen/Elbstorf für etwa 
2,028 Millionen Euro 

2004
Beseitigung von Hochwasserschäden auf Grund des Augusthochwassers 2002 und Wiederherstellung der Deichsicherheit
Bau einer Hochwasserschutzwand mit rückwärtiger Verankerung der Spundwand in Hohnstorf
Kolksicherung im Bereich der Fährbuhne in Hohnstorf
Fertigstellung von Wege- und Straßenbauarbeiten
Fortsetzung der Deckwerksarbeiten in Radegast für etwa insgesamt
3,5 Millionen Euro 

2005
Verstärkung und Erhöhung des Hochwasserdeiches in Artlenburg und Hohnstorf für etwa 
690.000 Euro

Erhöhung des Tidedeiches im Bereich Laßrönne (BGS-Gelände) für etwa 
693.000 Euro 

2007
Instandsetzung von Deichüberfahrten, die im Zuge des Sommerhochwassers 2002 beschädigt wurden für etwa 
650.000 Euro

2. Bauabschnitt im Bereich des Tidedeiches in Laßrönne und Stove für etwa 
1,111 Millionen Euro 

2010
Befestigung der Außendeichböschung in Sassendorf auf rund 1,2 km Länge für etwa 
1,02 Millionen Euro

Nacherhöhung der Tidedeiche im Raum Stove und Laßrönne für etwa 
1,107 Millionen Euro 

2011
Fortsetzung Befestigungsarbeiten an der Außendeichböschung in Sassendorf auf rund 1,2 km Länge und Anlegen von zwei Furten im Wendewischer Werder für rund 
2,122 Millionen Euro

Nacherhöhung der Tidedeiche im Raum Rönne/Schwinde, Neubau einer Zufahrt zum Deichverteidigungsweg für etwa 
1,1 Millionen Euro 

2012
Arbeiten am Tidedeich Rönne/Schwinde für etwa 
1,16 Millionen Euro 

2013
Bewirtschaftung der Bodenentnahmen Drage und Oldershausen für etwa 
1,2 Millionen Euro

Erstellung einer Spundwand in Hohnstorf für etwa 
650.000 Euro

Kleihalde Artlenburg für etwa  
169.000 Euro

Bau einer Deichüberfahrt in Schwinde für etwa 
1,2 Millionen Euro 

2014
Fertigstellung der Spundwand in Sassendorf für rund 
90.000 Euro

Ausbau der Schutzdeiche am IlmenauKanaldeich für rund 
150.000 Euro

Fortsetzung des Bauarbeiten an der Deichüberfahrt und Nacherhöhung der Tidedeiche in Schwinde für rund 
800.000 Euro

2015/2016
Reparatur der Flutfolgeschäden von 2013
5,1 Millionen Euro

2016
Investitionen in verschiedenen Bereichen am Elbdeich, an den Schutzdeichen am Ilmenaukanal und für Bodenentnahmen für den Deichbau
3,0 Millionen Euro

Deichlexikon

 

Abfluss

Das ist die Menge Wasser, die in einem Gewässer abfließt. Sie wird bei Hochwassersituationen in Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Der Abfluss ist eine Rechengröße, nach der weitergehende Berechnungen für die unterhalb der Hochwasserwelle liegenden Gebiete vorgenommen werden.

Alarmstufen

Auf der Grundlage von Hochwasservorhersagen werden folgende Alarmstufen festgelegt:

Alarmstufe

Richtwasserstände

   
 

Pegel Bleckede in cm

Pegel Hohnstorf in cm

Pegel Sperrwerk (Ilmenaukanal,

Neetzekanal) in cm

I

975

740

400

II

1035

800

430

III

1085

840

460

IV

1105

880

490

Altarm

Vom Hauptfluss abseits gelegene Wasserfläche mit oder ohne Verbindung zum Fluss, meist in Verlandung begriffen und Rest eines ehemaligen Flusssystems. Altarme können beträchtliche Tiefen aufweisen und eine Deichgefährdung darstellen, wenn sie zu nah am Deich liegen – vor allem durch Strömungsturbulenzen.

Altdeich

Bezeichnung für einen historisch gewachsenen, durch mehrere Erhöhungen und Verstärkungen entstandenen Deich, dessen Anlage vor Jahrhunderten vorgenommen wurde. Altdeichstrecken entsprechen weder in ihrer Höhe, ihren Abmessungen und den Bodenaufbau den heutigen Anforderungen, sind daher bis auf Reste beseitigt worden.

Aufkadung

Bezeichnet eine künstliche Deicherhöhung. In historischer Zeit sind überflutungsgefährdete Deichabschnitte mit Brettern, Pfählen oder Tierdung als Abdichtungsmaterial um einige Dezimeter aufgehöht worden. Heute werden künstliche Aufhöhungen mit mehreren Lagen Sandsäcken oder aufgeschütteter Erdwälle, die in Folie eingeschlagen sind, auf der Deichkrone erreicht.

Brack

Bezeichnung für ehemalige Deichbruchstellen, die meisten davon sind wassergefüllt. 

Buhnen

Dies sind künstlich hergestellte Querbauwerke in der Elbe mit Verbindung zum Vorland, das dadurch vor einem möglichen Uferabbruch geschützt wird. Die Elbe ist hier durch Mittelwasser geregelt, das heißt, der Abflussquerschnitt bei Mittelwasser wird durch Buhnen und Längswerke eingeschränkt.

Deichgesetz

Grundlage aller deichrechtlicher Bestimmungen ist das Niedersächsische Deichgesetz vom 1. März 1963, das die bis dahin geltende Deich- und Sielordnung für das Fürstentum Lüneburg vom 15. April 1862 ablöste. Anpassungen an veränderte Verhältnisse bewirkten stetig Änderungen des Deichgesetzes zur Umsetzung der Verwaltungsmodernisierung, zuletzt am 5. November 2005.

Deichhauptmann

An der Spitze eines Deichverbandes steht der Verbandsvorsteher. In Niedersachsen heißt er satzungsgemäß Deichhauptmann, in Hamburg Deichvogt.

Deichlinie

Das ist der Verlauf des Deiches in der Landschaft. Dieser wurde in historischer Zeit weitgehend von den örtlichen Verhältnissen vorgegeben. Zwangspunkte waren damals bestehende Nebenarme der Elbe, Sumpfflächen und andere topografische Hindernisse. 

Deichkrone

Oberer Abschluss des Deichkörpers mit einer Mindestbreite von drei Metern.

Deichschau

Kontrolle der Deiche, die zwei Mal jährlich (Frühjahr und Herbst) unter der Leitung des Landkreises durch eine Schaukommission durchgeführt wird.

Deichverband

Deichverbände – wie der Artlenburger Deichverband – verwalten sich nach dem Gesetz über Wasser- und Bodenverbände und dem Niedersächsischen Deichgesetz (NDG) selbst. Aufsichtsbehörde des ADV, bei dem es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts handelt, ist der Landkreis Lüneburg. Der Betritt zum Deichverband ist nicht freiwillig, er wird durch das NDG geregelt. Entsprechend gibt es eine Deichpflicht. Die besagt, dass die Eigentümer aller im Schutz der Deiche und Sperrwerke gelegenen Grundstücke zur gemeinschaftlichen Deicherhaltung verpflichtet. Von der ehemaligen Bezirksregierung Lüneburg wurde per Verordnung die rückwärtige Grenze des geschützten Gebietes des Artlenburger Deichverbandes im März 2000 festgesetzt.

Deichvogt

Bis 1998 wurde die Deichaufsicht von einem Landesbeamten, dem Deichvogt, als hoheitliche Aufgabe hauptberuflich wahrgenommen. Nach 250 Jahren staatlicher Deichaufsicht ging diese auf die Fachdienststelle der Landkreise und im Rahmen der Eigenverantwortung auf die jeweiligen Deichverbände über.

Deichwachen

Das Aufziehen der Deichwachen erfolgt beim Überschreiten festgelegter Pegelstände und auf besondere Anweisung. Zum Wachdienst verpflichtet sind alle Verbandsmitglieder über 16 Jahre. Entsprechend der Gefahrenlage werden einfache Deichwachen (vier Personen, davon zwei im Wachlokal und zwei auf dem Deich) oder doppelte Deichwachen angeordnet. Der zuständige Deichgeschworene führt die Aufsicht und übt die Kontrolle aus. Nach zwölf Stunden Dienst erfolgt im Normalfall die Ablösung.

Enteignung

Der Gesetzgeber behält sich das Recht vor, zum Wohle der Allgemeinheit ein Enteignungsverfahren zu bewirken, wenn beispielsweise Grundflächen zu erwerben sind, die unabdingbar für ein Bauvorhaben benötigt werden und keine andere Lösung zu erreichen ist.

Freibord

Das ist das Maß an der wasserseitigen Deichböschung zwischen Außenwasserspiegel und Deichkronenhöhe.

Katastrophenfall

Ist zu erkennen, dass das Leben, die Gesundheit oder die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung oder erhebliche Sachwerte in einem solchen Maße gefährdet oder beeinträchtigt sind, dass die erforderlichen Maßnahmen sowie der Einsatz der notwendigen Einsatz- und Hilfskräfte eine zentrale Leitung erfordern, so ist für das betroffene Gebiet der Katastrophenfall festzustellen. Eintritt und Ende des Katastrophenfalles stellt der Landrat des Landkreises Lüneburg fest. Damit obliegt ihm die zentrale Leitung aller notwendigen Maßnahmen zur Katastrophenbekämpfung. Die späteste Ausrufung des Katastrophenfalles muss bei der Alarmstufe IV erfolgen. Akute Gefahr für die Bevölkerung wird durch Glockenläuten, Sirenen oder auf andere geeignete Weise bekannt gegeben.

Kleiabdeckung

Als Klei wird der Auenlehmboden bezeichnet, der seit dem Deichausbau ab 1974 als schützende Schicht auf den aus Sand bestehenden Rohdeichkörper aufgebracht wird.

Pegel

Pegel sind Wasserstandsmesser mit genormter Ablese-Skala und genau eingemessenem Pegelnullpunkt. Sie befinden sich in regelmäßigen Abständen entlang der Flüsse.

Qualmwasser

Das Qualmwasser oder auch Drängewasser stellt sich im Anschluss hoher Außenwasserstände zeitverzögert binnendeichs ein und führt zu Überflutungen.

Schöpfwerk

Ein Pumpwerk, das sich innerhalb des Deiches befindet und zur künstlichen Entwässerung dient, wenn keine natürliche Entwässerung möglich ist.

Sollbruchstellen

Zur Kappung der Hochwasserspitze und Entlastung der Deiche können Sollbruchstellen bestimmt werden. Diese befinden sich dort, wo bei binnenseitiger Überflutung der geringste Schaden angerichtet wird. Die Entlastungswirkung kann bis zu 700 Kubikmeter pro Sekunde erreichen.

TEL

Kürzel für Technische Einsatzleitung im Einsatz- und Lagezentrum.

Verbuschung

Infolge von Verbuschung und der Existenz von Restwäldern im Deichvorland sowie damit verbundener Verringerung der Fließgeschwindigkeit erhöht sich unter anderem die Eisversatzgefahr und damit die Gefahr für die Deiche selbst.